Das 2. hermetische Prinzip: Das Prinzip der Entsprechung

Mit diesem Beitrag setzen wir unsere Reise durch die 7 hermetischen Prinzipien fort – jene alten Weisheiten, die versuchen, die grundlegenden Gesetzmäßigkeiten des Lebens zu beschreiben.

Im ersten Prinzip ging es um die Geistigkeit: Alles beginnt im Geist, in unseren Gedanken, Vorstellungen und inneren Bildern.

Das zweite hermetische Prinzip lautet:

„Wie oben, so unten; wie unten, so oben.“

Oder einfacher gesagt:

Das Prinzip der Entsprechung geht davon aus, dass alles im Universum miteinander verbunden ist und sich gegenseitig beeinflusst. Zwischen verschiedenen Ebenen des Seins (= materielle, mentale und spirituelle Ebene) bestehen Zusammenhänge und Spiegelungen.

Was sich auf einer Ebene zeigt, kann auf einer anderen Ebene eine Entsprechung haben – vielleicht in anderer Form, aber mit ähnlicher Qualität.

So lädt uns dieses Prinzip ein, bewusster auf Zusammenhänge zu achten: zwischen Innen und Außen, Körper und Geist, Mensch und Natur, Familie und Gesellschaft, Mikro- und Makrokosmos.

Was bedeutet das im Alltag?

Oft erleben wir Entsprechungen ganz praktisch. Ein einfaches Beispiel:

Viele Eltern kennen die Erfahrung: Wenn sie selbst innerlich ruhig, gelassen und zugewandt sind, wirkt sich das oft auch auf ihr Baby aus. Das Kind spürt diese Ruhe und kann sich leichter entspannen.

Sind Eltern hingegen angespannt, gestresst oder innerlich unruhig, überträgt sich diese Spannung häufig ebenfalls. Das Baby reagiert vielleicht mit Unruhe, Weinen oder Einschlafschwierigkeiten.

Natürlich bedeutet das nicht, dass Eltern „schuld“ sind, wenn ein Kind unruhig ist. Babys haben viele Bedürfnisse und jedes Kind bringt sein eigenes Temperament mit. Doch das Beispiel zeigt: innere Zustände können im Außen spürbar werden.

Entsprechung in Beziehungen

Auch in unseren Begegnungen können wir dieses Prinzip beobachten.

Manchmal reagieren wir besonders stark auf Eigenschaften anderer Menschen, weil sie etwas in uns berühren. Was uns an anderen ärgert, kann mit eigenen ungelösten Themen zu tun haben. Was wir an anderen bewundern, kann ein Hinweis auf Fähigkeiten sein, die auch in uns angelegt sind.

Beziehungen können daher wie Spiegel wirken. Sie zeigen uns, wo wir wachsen dürfen, wo wir verletzt sind, wo wir Grenzen brauchen und wo wir mehr Mitgefühl entwickeln können.

Das bedeutet nicht, dass wir alles hinnehmen müssen. Im Gegenteil: das Prinzip der Entsprechung kann uns helfen, bewusster zu unterscheiden:

Was gehört zu mir? Was gehört zum anderen? Was zeigt mir diese Situation über meine eigenen Bedürfnisse, Werte oder Muster? Denn oft berührt uns im Außen besonders das, was auch in unserem Inneren ein Thema ist.

Unsere innere Haltung, unsere Stimmung und unsere Muster können beeinflussen, wie wir Situationen erleben, wie wir auf andere wirken und welche Dynamiken entstehen.

Die Geschichte vom Tempel der tausend Spiegel

In Indien gab es einmal einen Tempel der tausend Spiegel. Dieser lag hoch oben auf einem Berg und sein Anblick war gewaltig. Eines Tages erklomm ein Hund den Berg. Er lief die Stufen des Tempels hinauf und betrat den Tempel der tausend Spiegel.

Als er in den Saal mit den tausend Spiegel kam, sah er tausend Hunde. Er bekam Angst, sträubte das Nackenfell, klemmte den Schwanz zwischen die Beine, knurrte furchtbar und fletschte die Zähne. Und tausend Hunde sträubten das Nackenfell, klemmten die Schwänze zwischen die Beine, knurrten furchtbar und fletschten die Zähne.

Voller Panik rannte der Hund aus dem Tempel und glaubte von nun an, dass die ganze Welt aus knurrenden, gefährlichen und bedrohlichen Hunden besteht.

Einige Zeit später kam ein anderer Hund den Berg herauf. Auch er lief die Stufen hinauf und betrat den Tempel der tausend Spiegel.

Als er in den Saal mit den tausend Spiegeln kam, sah auch er tausend andere Hunde. Er aber freute sich. Er wedelte mit dem Schwanz, sprang fröhlich hin und her und forderte die Hunde zum Spielen auf.
Dieser Hund verließ den Tempel mit der Überzeugung, dass die ganze Welt aus netten, freundlichen Hunden besteht, die ihm wohl gesonnen sind.

Verfasser unbekannt

Passende Gedanken und Zitate

„Wenn du dich selbst veränderst, verändert sich oft auch dein Umfeld.“

„Unsere innere Haltung wirkt in unser äußeres Leben hinein.“

„Ordnung im Inneren schafft oft Klarheit im Außen.“

Impulse zum Nachdenken
  • Welche Situationen, Beziehungsmuster oder Körperzeichen begegnen mir immer wieder?
  • Was zeigt mir mein Alltag über meine innere Verfassung?
  • Wo wünsche ich mir mehr Ordnung, Ruhe oder Klarheit?
  • Welche Menschen oder Situationen lösen starke Gefühle in mir aus – und warum?
  • Was im Kleinen könnte mir etwas über das große Ganze zeigen?
Übung zum Prinzip der Entsprechung

Nimm dir in den nächsten Tagen bewusst Zeit, deinen Alltag zu beobachten.

Wähle einen Bereich aus:

  • deinen Wohnraum
  • deinen Arbeitsplatz
  • deinen Körper
  • deine Beziehungen
  • deinen Tagesablauf
  • deine innere Haltung
  • deine Gefühle und Reaktionen

Frage dich:

Was zeigt sich hier gerade?

Ist es geordnet oder chaotisch?

Fühlt es sich leicht oder belastend an?

Gibt es ein Muster, das ich auch aus anderen Lebensbereichen kenne?

Dann wähle eine kleine Handlung, die mehr Klarheit bringt.

Zum Beispiel:

  • eine Lade aufräumen
  • einen Termin absagen
  • ein ehrliches Gespräch führen
  • bewusst tief durchatmen
  • eine Beobachtung notieren
  • den Körper durch Bewegung entlasten
  • eine Grenze setzen

Beginne im Kleinen. Denn oft verändert sich durch eine kleine bewusste Handlung im Inneren auch etwas im größeren Außen.

Ausblick

Im nächsten Beitrag widmen wir uns dem dritten hermetischen Prinzip: dem Prinzip der Schwingung.

Zum Nachlesen

www.regional-vital.at/die-7-hermetischen-prinzipien-ein-weg-zu-mehr-verstaendnis-und-innerer-ordnung/

www.regional-vital.at/das-1-hermetische-prinzip-das-prinzip-der-geistigkeit/

Die heute bekannten 7 hermetischen Prinzipien wurden vor allem durch das 1908 erschienene Kybalion bekannt. Ihre Wurzeln reichen jedoch weit zurück bis zu den Schriften des Corpus Hermeticum, einer Sammlung antiker Weisheitstexte, die Hermes Trismegistos zugeschrieben werden.