Warum unser Gehirn Handschrift liebt

Was eine norwegische Studie über Lernen, Gedächtnis und Schreiben verrät.

In einer digitalen Welt schreiben viele Menschen kaum noch mit der Hand. Notizen landen am Smartphone, Gedanken im Laptop und Einkaufslisten in Apps. Doch genau hier könnte unser Gehirn etwas verlieren.

Eine aktuelle Studie der norwegischen Neurowissenschaftlerin Audrey van der Meer zeigt: Beim Schreiben mit der Hand arbeitet das Gehirn deutlich stärker vernetzt als beim Tippen auf einer Tastatur.

Für die Untersuchung wurden Studierende mittels EEG beobachtet, während sie Wörter entweder handschriftlich schrieben oder tippten. Das Ergebnis: Beim Schreiben mit der Hand waren deutlich mehr Gehirnregionen gleichzeitig aktiv – vor allem Bereiche, die mit Bewegung, Wahrnehmung und Gedächtnis zusammenhängen.

Die Forschenden vermuten deshalb, dass Handschrift Lernen und Erinnern unterstützen kann. Denn Schreiben ist nicht nur Informationsaufnahme – es ist ein komplexer körperlicher Denkprozess.

Jeder Buchstabe verlangt koordinierte Bewegungen von Fingern, Hand, Augen und Gehirn. Beim Tippen hingegen wiederholen sich meist dieselben einfachen Bewegungen.

Die Studie bedeutet nicht, dass digitale Geräte schlecht sind. Aber sie erinnert uns daran, dass langsamer manchmal tiefer wirkt.

Vielleicht lohnt es sich also, wichtige Gedanken wieder öfter mit Stift und Papier festzuhalten.

Denn manches prägt sich besser ein, wenn wir es schreiben statt tippen.

Quelle:
Van der Meer, A. L. H. et al. (2024), Frontiers in Psychology